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Eine Schwimmweste ist sehr unhandlich und sollte erst im Sammelraum angelegt werden. (Foto wm)
Gedanken während einer Rettungsübung an Bord
Wer schon einmal auf Kreuzfahrt war und jetzt die schrecklichen Bilder vom Schiffsunglück der Costa Concordia vor Giglio sieht, der macht sich im Nachhinein Gedanken, wie die eigene Rettungsübung an Bord eines Kreuzfahrers ablief. Laut internationalen Bestimmungen muss innerhalb von 24 Stunden nach Einchecken der Passagiere eine Rettungsübung abgehalten werden.
Ich war vor zwei Jahren auf einem ähnlich großen Kreuzfahrtriesen wie die Costa Concordia mit fast 4.000 Passagieren und 1.500 Besatzungsmitgliedern unterwegs und hatte mir seinerzeit schon Gedanken gemacht: „Was wäre, wenn …“ Eine halbe Kleinstadt in Seenot, nicht auszudenken. Als Seglerin ist der Respekt vor Wasser und Wasserdruck quasi angeboren, mit einem Ingenieur an der Seite der Respekt vor Maschinen noch viel größer. Nun scheint sich herauszustellen, dass menschliches Versagen zu dem furchtbaren Unfall geführt hat – nicht die Natur oder ein Maschinenausfall.
Sammelraum ist die Diskothek. (Foto wm)
Dass ein Kreuzfahrtriese Grundberührung hat, ist undenkbar, zumal im Mittelmeer fast alle Strecken er- und befahren sind. Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf, als vor Beginn der Kreuzfahrt noch vor dem ersten Ablegen in Genua die Durchsage zum Safety Check kommt. Vorgewarnt ist man ja, denn auf dem Tisch liegt obenauf als erster Termin: 17 Uhr: Anleitung, wo in der Kabine die Schwimmwesten verstaut sind, wie die Rettungswege verlaufen und wo für diese Kabine der Sammelpunkt ist. Es sind noch nicht einmal die Koffer ausgepackt, da schnappen wir uns wieder unsere Bordkarten, holen die Schwimmwesten aus dem Schrank. Es kommt die angekündigte Durchsage, dass dies kein Ernstfall, sondern lediglich eine Übung sei und es in 15 Minuten nach dem zweimaligen Signalton – siebenmal kurz, einmal lang –, der auf dem gesamten Schiff inklusive Kabinen und Toiletten erschallt, losgeht.
Auf dem Weg zur ersten Weltreise - die Queen Elisabeth
164 Anläufe – Noch mehr Schiffe, noch mehr Reedereien
Der Ort der Pressekonferenz unterstrich das Ziel der Kreuzfahrtbranche in Hamburg 2012: Noch mehr Schiffe, noch mehr Passagiere – und noch mehr begleitende Wertschöpfung für Hamburg, wie Wirtschaftssenator Frank Horch auf der Queen Elisabeth der Cunard-Reederei in Altona deutlich machte. Die Queen Elisabeth bildete die großartige bis pompöse Kulisse für die dazu passenden Zahlen für das aktuelle Jahr. Ganze 164 Anläufe wird die Elbe und der Hamburger Hafen nach jetzigen Planungen erleben, dazu eine ganze Reihe Höhepunkte die sich die Fans der großen Schiffe rot im Kalender anstreichen sollten. Insgesamt gibt es in der Saison 2012 zwölf Erstanläufe zu begrüßen – doppelt so viele wie in 2011. Dabei sind erstmalig in der Hansestadt die AIDAmar, Columbus 2, Costa neoRomantica, Costa Pacifica, Funchal, Hamburg, Le Diamant, Ocean Countess, Oriana, Saga Ruby, Seabourn Sojourn und die Thomson Spirit. Dazu ist wie letztes Jahr der Mai der absolute Höhepunkt der Saison. Insgesamt wird der Hamburger Hafen in diesem Zeitraum 35-mal von Kreuzfahrtschiffen angelaufen. Das damit einhergehende Passagiervolumen allein für diesen Monat beläuft sich auf knapp 93.000 Menschen.
Pompöser britischer Schick
Zum Hafengeburtstag erscheinen gleich 8 Kreuzfahrer: Die AIDAblu, AIDAluna, AIDAmar, AIDAsol, Deutschland, Le Boréal, MSC Lirica, Queen Mary 2, die Star Flyer und die Alexander von Humboldt 2. Das Mega-Ereignis in diesem Monat wird am 12.Mai die Taufe der AIDAmar sein, die mit einer weltweit einmaligen Taufzeremonie gleich von drei Schwesterschiffen auf große Fahrt geschickt wird. So etwas wird der Hamburger Hafen so schnell nicht wieder sehen und wer sich an die Taufe der AIDAdiva erinnert, weiß das AIDA-Cruises zu feiern versteht. Die Einmaligkeit dieses Ereignisse wird sicherlich dazu beitragen, dass der Hamburger Hafengeburtstag dieses Jahr aus allen Nähten platzen wird. Aus allen Nähten platzen bei diesen Zahlen selbstverständlich auch die Kapazitäten der zwei Kreuzfahrtterminals und der restlichen Hafenanlagen. So gibt es insgesamt 32 Doppelanläufe, vier Dreifachanläufe und zwei Fünffachanläufe. Die Anzahl der Doppelbelegungen (2011: 20 Doppelanläufe) zeigt, wie dringend der zweite Großschiffsliegeplatz in Altona benötigt wird.
Was bisher geschah: Jimmy F. lebt seit fünf Jahren in einem goldenen Käfig in der Hamburger HafenCity. Seine MaMa (Abk. für: Mach’ mal schnell das Essen auf meinen Teller!) hat ihn aus dem Tierheim geholt und ihm ein liebevolles Zuhause gegeben. Jimmy dagegen glaubt, dass er entführt wurde. Mit der Außenwelt kommuniziert er unter anderem über seine Kolumne ...
Oh, oh! Jetzt habe ich ein Problem. Mein Herausgeber steht vor der Tür mit einer Salamistange in der Hand und will diese gegen meine neueste Kolumne tauschen. Wie erkläre ich ihm, dass ich diesen Monat keine Zeit zum Schreiben hatte? (Anm. der Red.: Jimmy, wir haben Dir den Abgabetermin doch rechtzeitig gemailt.) Ich versuche ihm zu erklären, dass mein Leben nicht so einfach wie das Leben von Menschen ist und dass ich auch wichtige gesellschaftliche und soziale Aufgaben zu erfüllen habe. Meine ausgefeilte Argumentation hilft scheinbar nicht; er wird die Salamistange nur gegen Buchstaben herausrücken. O. K., dann schreibe ich eben: Der Dezember fing gut an, ich hatte einen Fluchtplan und wollte spätestens zum Nikolaus in die „Stadt der Katzen” ziehen, wo ich mir bereits eine Wohnung mit Napf und Katzenklo ausgesucht hatte. Und dann wurde ich verpfiffen. Irgendjemand hat MaMa erzählt, dass ich Fluchtpläne habe (Anm. der Red.: Wir waren es nicht. Ehrenwort!), danach folgten tagelange Diskussionen, erst bekam ich mein Fressen und dann sollte ich erklären, warum und wieso ich eine eigene Wohnung haben will.
Als ich schwieg und meine Fluchthelfer nicht verpetzen wollte, griff MaMa zu unfairen Tricks. Als erstes schaltete sie auf unserem Balkon die Heizung aus, sodass ich keine Lust mehr hatte, rauszugehen, dann schmückte sie unser Wohnzimmer mit tollen Fußbällen (Anm. der Red.: Jimmy, bist Du sicher, dass das nicht Weihnachtskugeln sind?) und dann wurde es ganz fies: Sie holte Moby – ein 21 Jahre alter schwarz-weißer Kater–, der sonst bei MaMas Schwester wohnt, zu uns in die Wohnung. Seitdem bin ich total busy und komme mit meiner Zeit nicht mehr aus. Ich muss jetzt für zwei fressen, da Moby aufgrund seines hohen Alters oft keinen Appetit hat, und ich unterhalte mich mit ihm. Er erzählt mir dann von seiner Jugend, als er noch ein gefürchteter Freigänger war und Mäuse jagte.
Strand Road – das klingt zwar fast wie Strandkai auf Englisch, liegt aber nicht in der HafenCity an der Elbe, sondern ist die birmanische Version in Yangon am Yangon River. Zwischen Strand Road und dem Yangon River spielt sich das Leben am Hafen ab. Der Tiefwasserhafen Thilawa, an dem auch die Kreuzfahrtschiffe festmachen, liegt circa eine Stunde Autofahrt von Yangon entfernt. Doch auch hier an der Strand Road gibt es Container, die pittoresk von Bougainvillea umrankt werden und darauf warten, an ihren Bestimmungsort gebracht zu werden. Kleine Boote bringen die Menschen von einer Seite des Flusses auf die andere – Touristen werden allerdings nicht mitgenommen – zu gefährlich, bekommt man auf Nachfrage zu hören.
Und alte Schiffe
Die Arbeit am Hafen ist hart: Man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt, wenn man die Arbeiter in der glühenden Sonne beobachtet, die Säcke und Pakete auf ihrem Rücken zu den Schiffen tragen. Für jeden Weg zum Schiff gibt es ein kleines Stöckchen – am Ende des Arbeitstages werden die Stöckchen gezählt und der Tagesverdienst gemäß der Anzahl ausgezahlt. Die Strand Road ist fast die einzige Straße in Yangon, die einen breiten und vor allem intakten und begehbaren Fußweg hat; statt wie sonst konzentriert auf den Boden zu schauen, immer darauf bedacht, nicht in ein großes Loch zu fallen, guckt der Fußgänger konzentriert nach vorn, um keinen Ball an den Kopf zu kriegen: Den ganzen Weg entlang haben Kinder ihre Fußballtore aufgestellt und sind begeistert am Spielen.
Wer mit der Jubilee Line mit der U-Bahn in London zu den Docklands, sprich in diesem Fall zur Canary Wharf fährt, wird zunächst einmal von den Dimensionen dieser U-Bahn-Station erschlagen. Den nächsten – erklärenden – Schock bekommt der Besucher aus London, wenn er aus dem Ausgang der Station kommt: Hier wurde geklotzt und nicht gekleckert. Wo in der HafenCity sieben Stockwerke die Höhe der Häuser bestimmen, sind es hier mehr als zehn Etagen, und es gibt echte Wolkenkratzer mit über 50 Stockwerken. Englands höchste Gebäude stehen hier, erst zur Olympiade werden sie durch das zweithöchste Gebäude Westeuropas, dem Shard mit 310 Metern, abgelöst werden. Auf 230 Meter bringt es immerhin der One Canada Square, die benachbarten Wolkenkratzer sind jeweils rund 200 Meter hoch. Die Docklands sind das neue Finanz- und Medienzentrum in London und hier liegt auch die Erklärung für die Dimensionen der Metro-Station. Werktags strömen zehntausende Bankangestellte mit der U-Bahn in die Bürotürme, der Stadtteil wirkt lebendig und belebt.
Wohnen am Wasser eine Nummer größer
Doch am Wochenende sieht das Bild ganz anders aus: Bei typisch Londoner Schmuddelwetter zeigen sich kaum Menschen auf den Straßen, auf Touristen üben die Shopping-Meilen und Attraktionen der Londoner Innenstadt sehr viel mehr Anziehungskraft aus, als die 20-minütige Fahrt mit der U-Bahn. Einige Schiffe auf der Themse kommen vorbei, doch die meisten sind tatsächlich Fähren, die Londoner nutzen, um von A nach B zu kommen. Gewohnt wird in den Docklands sowohl am Wasser als auch inländisch, die gewachsenen alten Viertel mit einer sozial schwachen Einwohnerschaft besehen sich misstrauisch die modernen Apartment-Blöcke direkt am Wasser mit bewachten Zufahrten. Ein zufälliger Kontakt mit einer ehemaligen Dockland-Bewohnerin bringt ein subjektives Bild vom Wohnen am Wasser in London näher. Dabei sind ihre Gründe für den Wegzug interessant: Wenig „community feeling“, wenig Freizeitangebote und ein Unsicherheitsgefühl im abends verwaisten Stadtteil.
Hamburg oder Bremen - An der Haushöhe erkennt man es schnell
Die kleine große Schwester der HafenCity in Bremen
Es ist schon lustig: zwei Hansestädte in ewiger Konkurrenz und Nachbarschaft verstrickt – und trotzdem so ähnlich. Vielleicht auch, weil sich die Mentalität der Bewohner der beiden Nachbarhansestädte Hamburg und Bremen nicht so sehr unterscheidet. Auch in der Entwicklung ihrer nicht mehr benötigten Hafenflächen hatten beide Städte zum fast gleichen Zeitpunkt die gleichen Ideen. Ähnlich wie in der Hamburger HafenCity startete in Bremen das Projekt Überseestadt im Jahr 2000. Ebenso wie in Hamburg bezeichnet sich die Überseestadt als eines der größten städtebaulichen Projekte in Europa – mit fünf Kilometern Länge und 288 Hektar Fläche ist die Bremer Schwester auf dem Papier flächenmäßig sogar fast doppelt so groß wie die HafenCity. Die Größe hat jedoch einen Preis und wurde unter Umständen in Bremen teuer erkauft: 1991 sorgten ein Gutachten über den baulichen Zustand des Überseehafens und sinkende Umsätze dafür, das kurzerhand das gesamte Hafenbecken mit 3,5 Millionen Kubikmetern Sand verfüllt wurde.
Auch ein Chilliclub ist vorhanden
Aus heutiger Sicht wertvolle Wasserflächen und Lagen gingen verloren. Die Folgen sieht man in der heutigen Entwicklung und Bebauung der Flächen: Die Wasserlagen sind begehrt und auch für Bremer Verhältnisse relativ einfach an den Mann zu bringen – die riesigen Binnenflächen sind Tummelplatz für die Ansiedlung von Pionierpflanzen. Auch in Bremen gibt es Reste eines historischen Speicherriegels. Der Speicher XI wurde zwischen den Jahren 1908 und 1912 erbaut und ist mit seinen gesamten 400 Metern Länge in Privatbesitz. Aktuelles Herz der Flächenentwicklung ist der Europahafen mit viel – tatsächlich auch genutzter – Bürofläche und einer großen zentralen Speicherhalle. 200 Unternehmen mit über 2.400 Arbeitsplätzen haben sich hier angesiedelt – auch ein Ableger des Chilli-Clubs liegt in Sichtweite der Promenaden. Herz des Hafenbeckens ist eine Marina mit einer praktischen Pontonanlage in der man für vernünftige Preise sein Schiff anlegen kann.
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